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"Ich passe nicht ins Bild eines typischen Nerds"

von Luise Philine Pomykaj

21 MAI 2018

Job & Budget

Programmieren ist längst nicht mehr nur Männersache. Wir haben mit einer jungen Frau gesprochen, die es zu ihrem Beruf gemacht hat.

Mit der Gründung ihres Coding-Programms "Kode with Klossy" hat Supermodel und Informatik-Pro Karlie Kloss bereits 2015 junge Girls dazu ermutigt, das Programmieren zu lernen. Sie wollte das Bild der Tech-Branche, die lange von Männern dominiert wurde und mit Vorurteilen zu kämpfen hatte, ändern: "Wie in der Kunst oder Mode geht es beim Coding um Kreativität. Bei meinem Projekt sollen Frauen darin ermutigt werden, nicht vor dieser technischen Aufgabe zurück zu schrecken", so Karlie im Interview mit "T&C". Das war 2016. Ihr Einsatz kommt immer noch an: Für den Sommer 2018 haben sich bereits 1.000 junge Frauen für ihr Coding-Camp angemeldet. 

Auch die 28-jährige Sarah Geissberger aus Zürich spricht Programmiersprachen und hat uns erzählt, wie es ist, als Frontend-Entwicklerin zu arbeiten:

"Ich kenne die Vorurteile: Wenn ich sage, dass ich Informatik studiert habe, reagieren die Leute oft ungläubig. Ich passe für sie wohl nicht ins Bild eines typischen Nerds, der blass ist und mit fettigen Haaren im Keller hockt. Klar, ein bisschen nerdig bin ich vielleicht schon: Ich liebe Schriften und schaue sie mir immer ganz genau an. Ich achte auf die Typografie einer Speisekarte, die Farben und Abstände – und manchmal entdecke ich dabei Fehler, die sonst wahrscheinlich keiner beim Warten im Resti bemerken würde.

Wenn ich arbeite, muss es still sein. Ganz selten höre ich beim Programmieren klassische Musik. Ich bin sowohl Morgen – als auch Nachtmensch, stehe gerne früh auf, habe aber auch keine Mühe damit, abends zu arbeiten – was in diesem Job durchaus von Vorteil sein kann.

Beim Designen habe ich Stift und Papier in der Hand

Zu meinen Aufgaben gehört das Designen und die Entwicklung: Im Design-Prozess erstelle ich Skizzen davon, wie eine Website aussehen soll – mit Vorschlägen zu Farben, Schriften und Logos. Was sich viele nicht vorstellen können: Ich habe dabei Stift und Papier in der Hand, arbeite also völlig analog. In diesem Teil meines Jobs kann ich kreativ sein, das mag ich. Die anschliessende Frontend-Entwicklung ist das Umsetzen dieser Vorschläge: das Bauen und Programmieren von dem, was man letztendlich auch auf der Website sieht. Wenn ich das mache, sitze ich natürlich vor dem Laptop.

Dass immer mehr Frauen sich fürs Coding interessieren, finde ich wirklich cool. Diversity ist eben überall. Man sollte immer die Person nehmen, die am besten geeignet ist und es nicht vom Geschlecht abhängig machen. Wir hatten auch im Studium einen 50/50-Mix aus Männern und Frauen – was wahrscheinlich am Designaspekt lag, der bei meinem Studiengang dazukam. 

Man kann von überall aus arbeiten

In meinen Augen ist Informatik schon lange keine reine Männerdomäne mehr und ich würde meinen Job auf jeden Fall anderen Mädels empfehlen: Er ist zukunftsweisend und die Verbindung von Design und Technik ist extrem spannend. Was mir ausserdem gefällt und vor allem diejenigen interessieren dürfte, die sich irgendwann mal selbstständig machen wollen: Ich kann von überall aus arbeiten. Alles, was ich brauche, ist ein Laptop. 

Sarah Geissberger hat Informatik FH (bsc) mit Profilierung in iCompetence studiert und hat dort gelernt Design, Gestaltung und Kunst optimal mit Technik zu verbinden. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie zunächst als Fullstack-Entwicklerin in einer Agentur in Rapperswil, seit fast drei Jahren ist sie als Frontend Developer/Designer bei der Amazee Labs AG in Zürich angestellt. 

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