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Haben wir gar keinen Humor mehr?

von Marie Hettich

29 MÄRZ 2017

Life

Schon wieder tobt ein feministischer Shitstorm im Web: Das Plakat eines amerikanischen Juweliergeschäfts soll Gewalt an Frauen verherrlichen. Redaktorin Marie Hettich ist genervt von dieser Hysterie.

Shitstorms können eine sehr gute Sache sein. Ein Paradebeispiel dafür ist der #aufschrei, der Anfang 2013 unzählige Frauen dazu bewegte, online über ihre Erfahrungen mit Sexismus im Alltag zu berichten. Ausgelöst wurde die Debatte durch einen "Stern"-Artikel, in dem die Journalistin Laura Himmelreich über ihre Begegnung mit dem Politiker Rainer Brüderle und dessen völlig unangebrachtes Busen-Kompliment schrieb.

Seitdem scheinen allerdings einige Frauen ein bisschen zu sehr Feuer gefangen zu haben: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass wieder irgendein T-Shirt, die Aussage eines Promis oder eine Karikatur für frauenverachtend befunden wird. Manchmal scheint das Ganze so an den Haaren herbeigezogen, dass man nicht anders kann, als an die alten, gelangweilten und fiesen Leute zu denken, die stundenlang aus ihren Fenstern glotzen, in der Hoffnung, Falschparker oder sonstige Sünder zu entdecken.

"Manchmal ist es okay, Mädchen mit Steinen zu bewerfen"

Auch Eva-Michelle Spicer, die Besitzerin eines Schmuckladens im Städtchen Asheville im US-Bundesstaat North Carolina, kann nun von dieser neuen Hyperempfindlichkeit vieler Frauen ein Lied singen: Das frisch installierte Werbebanner ihres Shops Spicer Greene Jewelers bekommt gerade einen fetten Shitstorm auf Social Media ab, und manche Leute waren sogar schon vor Ort, um gegen das Plakat zu protestieren. Was die Leute so aufregt? Nun, die Werbetexter haben versucht, witzig zu sein (was ihnen meiner Meinung nach sogar ein bisschen gelungen ist). "Manchmal ist es okay, Mädchen mit Steinen zu bewerfen", heisst es auf dem Banner. Um den Spruch herum fliegen hübsche Edelsteine durch die Luft.


rocks
Twitter mskimkelley

Eine Twitter-Userin schreibt zum Beispiel: "@SpicerGreene soll das lustig sein, weil ihr denkt, dass Gewalt gegen Frauen lustig ist?" Sogar Hillary Clintons Tochter Chelsea twitterte: "Darüber zu reden, Frauen Gewalt anzutun, ist nicht witzig. Niemals." Die arme Shopbesitzerin – die übrigens selbst Teil einer Organisation ist, die sich für mehr Gleichberechtigung und gegen Gewalt an Frauen einsetzt – ist nun völlig aus dem Häuschen. Und sie hat versprochen, das Plakat so schnell wie möglich wieder abzuhängen.

Diese Hysterie ist ebenfalls sexistisch

Zum Nachrichtensender WLOS sagte sie: "Der Banner sollte eine nostalgische Erinnerung an das sein, was man als Kind immer gesagt bekommen hat: Es ist nicht okay, (...) andere Kinder mit Steinen zu bewerfen. Es macht mich traurig, dass viele die Werbung in den falschen Hals bekommen haben." Auf Facebook hat sich der Shop nun mit einem offiziellen Statement bei allen aufgebrachten Frauen entschuldigt.

Nochmal: Es ist eine gute Sache, mit offenen Augen durch unsere leider immer noch sexistische Welt zu laufen und auch anzusprechen, wenn irgendwas dramatisch daneben geht. Aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen, lenkt allerdings von der eigentlichen Ernsthaftigkeit des Themas ab. Ausserdem führt es dazu, dass Männer bei so viel Feminismus-Drama aus gutem Grund mit den Augen rollen oder sich so verunsichert fühlen, dass sie überhaupt nicht mehr wissen, wie man mit Frauen umzugehen hat. Und noch was: Theoretisch ist diese Hysterie ebenfalls hochgradig sexistisch. Denn wenn Witze auf Kosten der Männer gehen, soll sich der Erdball bitteschön wie gehabt weiterdrehen.

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