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"Gegen starke Prüfungsangst hilft nur eine Therapie"

von Gina Buhl

17 APRIL 2018

Life

Gestern hat uns Studentin Anna von ihrer extremen Prüfungsangst erzählt. Weil dieses Thema einige betrifft, haben wir bei einer Psychotherapeutin nachgefragt, was dahinter steckt und was helfen kann.

"Je mehr ich las, desto schwitziger wurden meine Hände. Mein Magen zog sich zusammen. Mein Herz fing an zu rasen. Ich las schneller, in der Hoffnung, irgendwo weiter unten auf dem Blatt noch etwas zu finden, was mir bekannt vor kam. Aber ausser 'Fuck!' war in meinem Kopf nichts mehr (...)" Die 25-jährige Anna hat Prüfungsangst. Wir haben gestern von ihren Panikattacken berichtet

Weil es wahrscheinlich nicht nur Anna so geht und auch einige von euch mit starker Prüfungsangst zu kämpfen haben, wollten wir genauer wissen, was dahinter steckt und was dagegen helfen kann. Fachpsychologin Dorothee Schmid, Leiterin Kompetenzbereich Angst und Zwang von der Privatklinik Wyss Münchenbuchsee, erklärts:

Sind die Symptome der Studentin typisch bei Prüfungsangst? Absolut. Wie die meisten Angststörungen äussert sich auch Prüfungsangst auf drei Ebenen: Auf der Körperebene mit Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen, Schwindel, Benommenheit und Atemproblemen. Auf der Gefühlsebene, wo Angst und Panik entstehen – und der Gedankenebene, auf der regelrechte Katastrophen-Gedanken auftauchen. Etwa: Ich weiss nichts mehr! Alles umsonst! Es ist alles verloren!

Das klassische Blackout? Genau – an der Spitze des Ganzen. Das Fiese ist: Wenn man das einmal erlebt hat und daraus wirklich ein Problem resultiert – etwa das Nichtbestehen einer Prüfung, wie bei Anna – wird die Situation als negative Erfahrung abgespeichert. Das sorgt dann dafür, dass die Angst das Ganze nochmal zu erleben, in Zukunft bei ähnlichen Situationen immer wieder aufpoppen wird. 

Das Nichtbestehen einer Prüfung ist ja eigentlich kein Weltuntergang. Das denken Sie. Jeder hat aber andere Erwartungen und Werte, die er mit einer Leistung verbindet. Wir sprechen in der Psychologie vom “Erwartung-x-Wert-Modell”. Die Studentin erwartet, dass sie in die Prüfung geht, sie besteht und die Ausbildung weitermachen kann – was gesellschaftliche Anerkennung generiert. Anhand dessen wird verständlich, warum eine nicht bestandene Prüfung für manche eine richtige Katastrophe ist. 

Warum entwickeln die einen Prüfungsängste und andere nicht? Das hat sehr unterschiedliche Gründe. Wer etwa als Kind mit anhaltend hohen Erwartungen der Eltern konfrontiert ist und sogar bestraft wird, wenn diese nicht erfüllt werden, verbindet Leistungssituationen später grundsätzlich mit Gefahr.

Und wie wird man die Angst wieder los? Ich halte nichts von Tipps und Tricks, wie man sie haufenweise im Internet findet. Das Problem ist ja, dass die meisten Leute, die ein Angstproblem haben, längerfristig mit ihrer Angst verkleben – wie ein gefangenes Insekt an einem dieser Klebestreifen. Sie können sich gedanklich weder nach vorne noch nach hinten bewegen und benötigen Hilfe, um sich zu befreien. Und um dieses neue Verhalten zu erlernen, braucht es Zeit. 

Also bleibt nur eine Therapie? Ja. In einer Therapie kann man Betroffenen aufzeigen, wie sie eben nicht mit ihrer Angst verkleben, und ihnen beibringen, die Prüfungssituation wieder neutral zu bewerten.

Hier findest du Hilfe

Viele Universitäten haben psychologische Beratungsstellen, die dir im akuten Fall weiterhelfen können. Mehr Infos und Adressen von Anlaufstellen und Therapeuten gibts bei der Schweizerischen Gesellschaft für Angst und Depression (sgad.ch) und der Angst- und Panikhilfe Schweiz (aphs.ch).

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