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"Es fallen oft Machosprüche"

von Lucien Esseiva

14 MAI 2018

Food & Home

In den Küchen dieser Welt arbeiten immer noch wenige Frauen. Spitzenköchin Rebecca Clopath erklärt, warum das so ist.

Rebecca Clopath (29) ist auf einem Bio-Bauernhof im bündnerischen Dörfchen Lohn aufgewachsen. Nach der Kochlehre arbeitete sie in verschiedenen Top-Restaurants, unter anderem bei Stefan Jöhri oder bei Sternekoch Stefan Wiesner. Rebeccas Küche ist inspiriert vom fairen Umgang mit Produkten und mystischen Sagen aus dem hochalpinen Raum.

Rebecca, warum wolltest du Köchin werden?

Weil es ein geiler Beruf ist. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe darum harte Arbeit nie gescheut. Ausserdem ist meine Mutter eine hervorragende Köchin, und ich habe mich immer aufs Essen gefreut. Gut zu essen, ist für mich wertvoll.


Der ruppige Umgangston in der Küche schreckt viele Frauen ab, sagt man.

Du kannst in der Kochlehre nur profitieren, wenn du ab und zu hart angegangen und korrigiert wirst. Aber es stimmt schon: Für diesen Umgang sind viele nicht gemacht – auch viele Männer nicht.


Wie erklärst du dir den Umstand, dass so wenige Frauen den Kochberuf ergreifen?

Weil seit Jahrhunderten vor allem Jungs in der Küche stehen, geht es in Profiküchen mitunter ziemlich sexistisch zu. Es fallen oft Machosprüche, und viele Lebensmittel haben sexistische Bezeichnungen.


Zum Beispiel?

Steht zum Beispiel eine Hauswurst auf dem Menükarte, dann heisst das in der Küche "Frauentraum". Und das ist nur ein harmloses Beispiel.

Rebecca Clopath

"In Profiküchen haben viele Lebensmittel sexistische Bezeichnungen."

Muss man sich als Frau in der Küche umso mehr behaupten?

Weil man oft in der Minderheit ist, muss man schon ein bisschen mehr kämpfen. Von Kolleginnen aus anderen Ländern weiss ich aber, dass es Frauen im Ausland oft noch viel schwerer haben als hier in der Schweiz.


Sollte eine Frau in der Küche ein bisschen wie ein Mann werden?

Ich würde schon sagen, dass es feminine Frauen eher schwer haben. Das gilt aber nur für Küchen, die noch nach alter Schule funktionieren. Ich kenne viele Küchenchefs, bei denen Frau einfach so sein kann, wie sie ist.


In Rankings wie "Gault Millau" oder "Guide Michelin" tauchen kaum Frauen auf. Woran liegt das?

Diese Bewertung wurde von Männern entworfen. Vielleicht brauchen sie das, um ihr Revier zu markieren. Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen einen anderen Fokus haben. Ranglisten haben für Frauen weniger Bedeutung. Sie wollen nicht als Einzelkämpferin hervorstechen, sondern etwas in der Gesellschaft bewegen.


Wie wäre es, wenn mehr Frauen in der Profiküche stünden?

Der Ton wäre anders, die Stimmung wäre anders, und als Köchin müsste man nicht dauernd die Harte raushängen lassen. Vielleicht würden auch die Jungs etwas weicher werden.

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