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Männer und Frauen können sehr wohl Freunde sein

von Yvonne Eisenring

2 MAI 2018

Life

Von wegen "irgendwann wirds kompliziert": Autorin Yvonne Eisenrings Plädoyer für die Freundschaft mit Männern – und für weniger Hintergedanken.

"Frauen und Männer können nicht befreundet sein", sagte der Typ am Tisch neben mir. "Ausser sie sind asexuell." Ich mische mich nicht in fremde Gespräche ein. Dafür bin ich zu anständig oder zu schüchtern. Wäre ich jedoch die Frau gewesen, die ihm gegenüber sass, hätte ich ihm gesagt, was ich von seiner These halte: rein gar nichts!

Männer und Frauen können befreundet sein. Sogar sehr gut. Müsste ich die zehn wichtigsten, engsten Menschen in meinem Leben nennen, wäre die Mehrheit männlich. Das kann man analysieren. Aber es wäre Zeitverschwendung. Dass unter meinen Freunden mehr Männer als Frauen sind, ist Zufall – oder Schicksal, wenn man so will.

Diese Menschen kamen in mein Leben und blieben. Sie wurden nicht meine Freunde, weil oder obwohl sie Männer sind. Sie wurden auch nicht meine Freunde, weil wir nicht miteinander schlafen (wollen). Sie wurden Freunde, weil wir über die gleichen Witze lachen. Weil wir an die gleichen Partys gehen. Weil wir einander anrufen können, ohne überlegen zu müssen, ob es gerade ein guter Zeitpunkt ist. Wir wurden Freunde, weil wir uns gegenseitig spannend finden, einander gerne zuhören. Und weil wir streiten können und danach beide den Wunsch haben, uns wieder zu vertragen. 

Kann die Freundschaft zwischen Männern und Frauen klappen?

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  • Nein – jemand verliebt sich immer. 16%
  • Nur solange man sich nicht anziehend findet. 25%

Er ist attraktiv, na und?


Eine Freundschaft mit einem Mann unterscheidet sich von der Freundschaft mit einer Frau – und von der Freundschaft mit einem anderen Mann. Jede hat doch ihren eigenen Charakter, unabhängig von Geschlecht und sexueller Ausrichtung. Es wäre plump, sie in Männlein-Weiblein-Eigenschaften einzuteilen. Mit dem einen Freund kann ich stundenlang übers Leben philosophieren, mit dem anderen gehe ich feiern, einer schaut mit mir "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" und kommt mit auf Städtetrips und ein anderer kocht für mich, wenn ich vor lauter Arbeit vergesse zu essen. Ich staune, wenn Leute in meinem Alter mit hochgezogener Augenbraue sagen: "Ist ja schön und gut, aber dann seid ihr mal betrunken – und zagg wirds kompliziert!" Ist nicht langsam durchgesickert, dass sich nicht nur Frauen und Männer zueinander hingezogen fühlen können? Wenn man der Frauen-und-Männer-können-nicht-befreundet-sein-Theorie glaubt, kann dann eine bisexuelle Person mit gar niemandem befreundet sein? Weil in jeder Konstellation die Gefahr besteht, dass sie ihr Gegenüber attraktiv finden könnte? Verunmöglicht Attraktivität eine Freundschaft? Nein!


Der kleine Unterschied 


Nicht der potenziell mögliche Sex ist der Feind einer Freundschaft, sondern die altmodische Vorstellung. Die verkrampfte Haltung. Die fixe Idee, dass nur befreundet sein kann, wer auch mit 5 Promille intus nackt nebeneinanderliegen kann, ohne sich anzufassen. Nur wer sich gegenseitig komplett unattraktiv findet, kann eine gut funktionierende Freundschaft führen. So ein Quatsch! Ich finde meine männlichen Freunde sehr attraktiv. Ich verstehe alle Frauen und Männer, die sich in sie verlieben. Ich hätte auch mich verstanden, hätte ich mich verliebt. Aber genau das ist die eigentlich so simple Erklärung: Ich bin nicht verliebt. Und deshalb ist ein Freund auch ein und nicht der Freund. Mit Asexualität hat das nichts zu tun.

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