Filmbild Annihilation Natalie Portmann
Paramount Pictures

Diskriminiert Hollywood asiatische Schauspieler?

von Stephanie Vinzens

11 MÄRZ 2018

Entertainment

Eigentlich ist die Haupfigur in "Annihilation" - Filmstart heute auf Netflix - asiatisch, die Rolle ging aber an Natalie Portman. Dass sich Hollywood in der Ethnie irrt, passiert häufiger.

In "Annihilation", den es seit heute auf Netflix zu sehen gibt, wagt sich ein Team von vier Frauen auf eine Expedition in eine rätselhafte Umweltkatastrophen-Zone. Ziemlich risky – denn alle, die es bislang gewagt hatten, verschwanden spurlos oder kehrten mit agressivem Krebs und schwerem Trauma heim.

Dass die Hauptrolle des Mystery-Thrillers an Oscar-Preisträgerin Natalie Portman gegangen ist, stinkt einigen jedoch: Der Film mache sich damit des Whitewashings schuldig. So bezeichnet man die Praktik, nicht-weisse Rollen an weisse Schauspieler zu vergeben. Laut Roman von US-Autor Jeff VanderMeer, auf dem der Film basiert, ist Portmans Rolle nämlich asiatischer Herkunft. 

Ein Versehen?

Regisseur und Drehbuchautor Alex Garland äusserte sich zu den Vorwürfen: "Die Charaktere im Roman, den ich gelesen und umgesetzt habe, hatten weder Namen noch Ethnizitäten." Tatsächlich wird die Abstammung der Protagonistin erst im zweiten Band der Trilogie genannt – Garland hat aber angeblich schon vor dessen Veröffentlichung mit dem Drehbuch begonnen, das nur vom ersten Teil handelt. 

Während dieser Whitewashing-Vorfall vermeintlich auf Unwissenheit basiert, lassen genug Fälle anderes vermuten. Hier sind fünf weitere Filme, die ins Whitewashing-Fettnäpfchen getreten sind:

1. "Ghost in the Shell"

In der Verfilmung des gleichnamigen japanischen Mangas spielt Scarlett Johansson eine Cyborg-Soldatin. Eine US-Amerikanerin mit skandinavischen Wurzeln in der Rolle von Major Motoku Kusanagi? Klingt irgendwie falsch. Fanden auch Fans des Animes: Als die Rollenvergabe bekannt wurde, haben sie die Petition "Dream Works: Stop Whitewashing Asian Characters!" gestartet: 105'410 Leute haben unterschrieben. Die Produzenten des Films interessierte das herzlich wenig. Ein Fehler? Der Film konnte weder Kinobesucher noch Kritiker richtig begeistern und gilt als finanzieller Flop.

Filmbild Ghost In The Shell Scarlett Johansson
Universal Pictures International Switzerland

2. "Hellboy"

Die geplante Neuinszenierung der "Hellboy"-Reihe erntete scharfe Kritik für die Wahl von Ed Skrein als Major Ben Daimio, der in den Comics asiatische Wurzeln hat. Ed trat deshalb von der Rolle zurück und schrieb: "Es ist klar, dass die kulturelle Repräsentation dieses Charakters für Leute von Bedeutung ist und dass die Vernachlässigung dieser Verantwortung eine besorgniserregende Tendenz zur Verschleierung der Geschichten und Stimmen der ethnischen Minderheiten in den Künsten fortsetzt." Vorbildlich! US-Koreaner Daniel Dae Kim wird nun seinen Part übernehmen.

Ed Skrein Hellboy
Bild: Getty Images

3. "Exodus: Götter und Könige"

Wie schon viele Bibel-Verfilmungen zuvor, kam auch "Exodus" für seinen weissen Cast unter Beschuss. Während das gemeine ägyptische Volk – Diener und Diebe – von schwarzen Schauspielern gespielt wird, sind die Hauptcharaktere – Götter und Könige – allesamt weiss: Christian Bale ist Moses, Joel Edgerton Ramses II. und Sigourney Weaver Tuja, um ein paar zu nennen. Empörte liessen ihrer Rage unter #BoycottExodusMovie freien Lauf. Regisseur Ridley Scotts Aussage dürfte sie nur noch wütender gemacht haben: "Ich kann keinen Film von diesem Budget machen (...) und sagen, dass mein Hauptdarsteller Mohammed so-und-so von dem-und-dem ist." Blöd nur, dass der Film trotzdem kein Hit wurde ...

Filmbild Exodus Christian Bale
2014 Twentieth Century Fox Film Corporation

4. "Pan"

Tiger Lily kennen wir aus der originalen "Peter Pan"-Story als Prinzessin vom Piccaninny-Stamm (so etwas wie die Ureinwohner Amerikas von Nimmerland). Im Fantasy-Film "Pan", der die Vorgeschichte von Peter Pan erzählt, ist diese aber plötzlich weiss und wird von Rooney Mara gespielt. Laut Regisseur Joe Wright eine bewusste Entscheidung. Denn die filmische Darstellung der Ureinwohner Amerikas ist ein sensibles, vorbelastetes Thema: "Ich hatte das Gefühl, nur eine Rasse auszuwählen, wäre eine unkluge Entscheidung. Also dachte ich über das Potenzial nach, dass sie die Ureinwohner des gesamten Planeten sind." Trotz scheinbar wohlüberlegten Absichten gabs einen Shitstorm. Ob der Schuld war, dass auch dieser Film floppte?

Filmbild Pan Rooney Mara
2014 Warner Bros

5. "Doctor Strange"

Ein Whitewashing-Fall besonders komplexer Art präsentierte uns Marvels "Doctor Strange". Die Rolle der Ältesten, gespielt von Tilda Swinton, ist im Comic männlich und stammt aus dem Himalaya-Gebirge. Laut Regisseur Scott Derrickson sei diese Original-Version des Ältesten aber voller rassistischer Stereotypen – deshalb hätten sie der Rolle einen frischen Anstrich verpasst. Drehbuchautor Robert Cargill hat da eine andere Erklärung: Angeblich fürchteten die Macher aufgrund des Tibet-China-Konflikts einen Boykott durch China, einem der lukrativsten Länder für Kinofilme. Also machten sie aus dem tibetischen Ältesten eine keltische Älteste. So oder so: Der Film wurde hochgelobt und entpuppte sich als wahrer Kassenschlager.

Filmbild Dr Strange
Marvel Studios

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