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Desinfektions-Mittel: Ja oder Nein?

von Stephanie Vinzens

8 MAI 2018

Health

Wir haben mit einem Experten darüber gesprochen, ob es Sinn macht, sich im Alltag immer wieder die Hände zu desinfizieren.

In der Medizin ist Desinfektionsmittel ein Muss. Gilt das auch für den Alltag – oder schadet es da mehr als es nutzt? Wir haben mit Prof. Dr. med. Hugo Sax gesprochen, Leiter der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich.

Desinfizierst du deine Hände?

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  • Ach Quatsch, das braucht doch kein normaler Mensch. 26%
  • Nur ganz selten – zum Beispiel wenn ich in Grossstädten unterwegs bin oder eine Grippe-Welle im Anmarsch ist. 36%
  • Ja, ich habe eigentlich immer ein Desinfektionsmittel in der Handtasche. 33%
  • Ich bin süchtig! 5%

Herr Sax, tragen Sie in Ihrer Freizeit immer ein Fläschchen Desinfektionsmittel mit sich herum? Nein, nie. Ich umarme aber Freunde nicht, wenn sie erkältet sind und halte mich an die Grundregeln.

Die da wären? Vor dem Essen, nach dem ÖV und dem Schnäuzen Hände waschen – und natürlich nach dem Toilettengang. Zudem unbedingt immer Seife verwenden, sonst können sich mögliche Fäkalreste nicht lösen.

Unterwegs liegt das Händewaschen aber nicht immer drin. Ist Desinfektionsmittel da keine gute Alternative? Wer viel unterwegs ist, kann sicher davon profitieren, ein Händedesinfektionsmittel dabei zu haben. Ich empfehle ein alkoholisches – denn Alkohol ist sehr wirksam und greift im Gegensatz zu vielen anderen keimtötenden Wirkstoffen die Haut nicht an. 

Sich ein paar Mal am Tag die Hände zu desinfizieren, ist also komplett unschädlich für die Haut? Ja. Sie könnte höchstens ein bisschen austrocknen, deshalb sollte, wer viel Händehygiene betreibt, auch Handcreme benutzen. Sehr häufiges Händewaschen hingegen kann der Haut richtig zusetzen.

Wieso das? Seife reinigt so gut, weil sie in Kombination mit Wasser und Reibung die keimbelasteten äusseren Hautanteile ablöst und wegspült. Desinfektionsmittel hingegen wirkt als Gift für die Bakterien – sie sterben innerhalb weniger Sekunden ab.

Wie sehr muss man sich vor Keimen eigentlich fürchten? Gesunde Menschen, die keine Immunschwäche haben, müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie die Grundregeln einhalten. Wir haben in und auf unserem Körper mehr Bakterien- als eigene menschliche Zellen. Dieser Zoo schützt uns sogar vor Infektionen, weil aggressive, krankmachende Keime auf arge Konkurrenz stossen.

Noch eine letzte Frage: Sind Menschen, die nach dem Toilettengang ihre Hände weder waschen noch desinfizieren eine Gefahr für die Allgemeinheit? So drastisch würde ich es nicht ausdrücken. Aber das Händewaschen nach dem Toilettengang schützt unsere Zeitgenossen definitiv vor möglichen schädlichen Darmkeimen und -parasiten. Die werden nicht nur direkt, sondern auch indirekt übertragen, zum Beispiel durch die berühmten Nüssli an der Bar oder beim Apéro.

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