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Christa Rigozzi hat den Feminismus nicht verstanden

von Marie Hettich

11 JUNI 2017

Life

Die frisch gebackene SRF-Polit-Moderatorin will sich nicht als Feministin bezeichnen – mit einer merkwürdigen Begründung, wie Redaktorin Marie Hettich findet.

Ohne Frage: Das, was Christa Rigozzi in den letzten zwei Wochen aushalten musste, wünscht man niemandem. Nachdem Ende Mai bekanntgegeben wurde, dass sie an der Seite von Jonas Projer die neue SRF-Sendung "Arena / Reporter" moderieren wird, entfachte eine Debatte, wie sie sexistischer und rückständiger kaum sein könnte: Kann eine Frau, die so attraktiv ist, dass sie 2006 zur Miss Schweiz gekürt wurde und seitdem ihr Geld unter anderem als Werbemodel verdient, eine gute Polit-Moderatorin sein?

Obwohl man das Ganze eigentlich mit einem Augenrollen ignorieren sollte, muss diese Frage offenbar auch im Jahr 2017 noch beantwortet werden: Ja, eine Ex-Miss-Schweiz (die übrigens einen Abschluss in Medien- und Kommunikationswissenschaft hat, aber das wollte niemand so recht hören) kann eine gute Polit-Moderatorin sein – das hat Christa Rigozzi gestern Abend der ganzen Schweiz bewiesen. Man muss das erst einmal gebacken kriegen, vor lauter Nervosität nicht nur Stuss von sich zu geben, nachdem wochenlang auf einem rumgehackt wurde – Hut ab.

Fast am Kaffee verschluckt

Bei allem Mitgefühl für Christa hab ich mich allerdings gestern Mittag beim Lesen ihres Interviews mit der "Sonntagszeitung" fast an meinem Kaffee verschluckt – und zwar wegen ihrer Antwort auf die Frage "Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?"

"Nein, das würde ich nicht. Ich liebe die Frauen und finde es richtig, dass sie dafür belohnt werden, was sie können. Ich bezeichne mich aber nicht als Feministin. Weil ich nicht sagen kann, dass Frauen besser sind als Männer, da ich für die Gleichberechtigung der beiden Geschlechter bin."

Wie kann man den Begriff so falsch verstehen?

Gehen wir davon aus, dass Christa Rigozzi das Interview aufmerksam gegengelesen hat: Mir ist es ein Rätsel, wie es ihr passieren kann, den Feminismus so falsch zu verstehen – vor allem heutzutage, wo er so trendy und mainstreamig ist, dass sogar Celebs ständig davon quatschen. Wer sich nämlich nur eine klitzekleines bisschen damit beschäftigt hat, sollte wissen, dass die allermeisten Feministinnen ganz bestimmt nicht finden, dass Frauen "besser sind als Männer".

Der Punkt ist aber, dass sie eben auch nicht finden, dass Männer besser sind als Frauen – und deshalb fordern, dass Frauen auf der ganzen Welt nicht mehr benachteiligt werden. Im Bezug auf den Lohn beispielsweise. Oder eben im Bezug auf ihre schönen langen blonden Haare und der daraus resultierenden Dringlichkeit, einem ganzen Land beweisen zu müssen, dass man trotz den schönen Haaren was in der Birne hat. 

Niemand muss sich so nennen

Ich finde, man kann von niemandem erwarten, sich Feministin zu nennen. Was ich aber erwartet hätte, ist, dass eine Frau, die in der Öffentlichkeit über Feminismus spricht, während die Augen eines ganzen Landes auf sie gerichtet sind, sich vorab mit der Bedeutung auseinandersetzt. Und, wer weiss, vielleicht hätte sie sich im Interview dann ja doch als Feministin bezeichnet.

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