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An dieser Krankheit leidet jede zehnte Frau

von Karin Zweidler

18 FEBRUAR 2016

Health

Lena Dunham leidet wie zehn Prozent der Frauen an Endometriose. Aber was ist das eigentlich genau? Und warum wissen wir so wenig über die Krankheit?

Via Facebook hat Lena Dunham letzte Woche ihre Fans informiert, dass sie krankheitshalber keine Promo für die fünfte "Girls"–Staffel machen könne, die am 21. Februar startet: "Mein Körper (und die Ärzte) sagen mir, dass es Zeit für eine Pause ist." Lena hat Endometriose. So wie schätzungsweise 10% aller menstruierenden Frauen. Aber was genau ist das eigentlich?

Normalerweise wächst Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmutter. Dort gehört sie hin, wird monatlich abgelöst und mit ein wenig Blut hinausgeschwemmt. Wer unter Endometriose leidet, hat Gebärmutterschleimhaut auch an anderen Stellen. Oft in den Eierstöcken, am Bauchfell, im Darm oder der Blase, manchmal auch in der Haut oder der Lunge. Auch dort wachsen die kleinen Schleimhautinseln zyklisch und bluten. Innerhalb der Gebärmutter wären das dann unsere Tage – ausserhalb gibts Irritationen, Entzündungen, Verwachsungen oder Verklebungen – denn das Blut kann nirgendwo hin. Das wiederum ist schmerzhaft.

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Schmerzmittel bringen nichts

Die Menstruation bereitet vielen Frauen monatlich Strapazen. Für Endometriose–Patientinnen sind sie aber weder mit einer Wärmflasche, noch mit einem rezeptfreien Schmerzmittel abzuspeisen: "Das typische Symptom der Krankheit sind heftige Schmerzen. Medikamente helfen nur in leichten Fällen", sagt Dr. med. Patrick Imesch, Leiter des Endometriosezentrum am Universitätsspital Zürich. "Bei vielen Betroffenen sind sie so stark, dass sie nur liegen und nicht arbeiten können." Das ist nicht nur kräftezehrend, sondern auch psychisch anstrengend und kann zu Problemen am Arbeitsplatz führen. Denn Endometriose sieht man nicht. Gesund wirkende junge Frauen sind mehrere Tage arbeitsunfähig – jeden Monat.

Nebst den Schmerzen beeinflusst die Krankheit, ob und wie problemlos die betroffenen Frauen schwanger werden können. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch leiden überdurchschnittlich oft unter Endometriose. "Das kann einen Zusammenhang haben – muss aber nicht", sagt Imesch.

Viele Unklarheiten

Diagnostiziert wird Endometriose selten und wenn, dann oft erst nach langer Zeit. Die Herde sind so winzig, dass man sie beim normalen gynäkologischen Untersuch nicht sieht. Der Arzt muss aktiv daran denken: "Viele Ärzte haben von Endometriose mal im Studium gehört, danach gehts wieder vergessen". Dazu kommt, dass man immer noch wenig über die Krankheit weiss – nicht, woher sie kommt und nicht, wie man sie nachhaltig behandelt. Betroffene haben derzeit zwei Möglichkeiten: Entweder sie nehmen durchgehend die Pille und vermeiden so ihren Zyklus (also auch das Bluten in der Bauchhöhle) und bekämpfen so nur die Symptome, oder sie lassen sich die Herde rausschneiden, laufen aber das Risiko, wieder welche zu bekommen.

Trotz der enormen Verbreitung: Das Wort "Endometriose" ist keineswegs jedem ein Begriff. Dr. Imesch ist sich sicher, Statements wie das von Lena Dunham helfen: "Je mehr darüber gesprochen wird, desto eher ist die Krankheit in den Köpfen der Ärzte und desto mehr merken Betroffene, dass sie nicht allein sind." Und gehen dann vielleicht schneller zum Arzt. Ganze zwei Jahre warten die meisten nämlich damit, sagt Helen North, CEO der britischen Charity–Organisation Endometriosis. "Viele Frauen haben das Gefühl, Schmerzen während der Menstruation seien normal", sagt Imesch wiederum, "dass man aber jeden Monat zu Schmerzmitteln greifen muss, ist nicht normal".

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